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Die Zeit nach dem Osterfest
© Maria Ziwny

Das höchste Fest für uns Christen - Ostern – hat viele Menschen zum Besuch der Gottesdienste bewogen. Bei manchen dieser liturgischen Feiern wurde es gar eng in unserer Kirche. Das gemeinsame Beten und kräftige Singen erfüllte das Gotteshaus und strömte auf die Mitfeierenden über. Doch wie geht es nun weiter? Welchen Einfluss hat das Ostergeschehen auf unser Leben? Ich habe dazu eine kurze Geschichte, welche die Diözese Feldkirch veröffentlichte, gefunden und denke, dass sie passend und anregend ist.

Ich bin mitten unter euch

Die Kar- und Ostergottesdienste waren geschafft.

Erleichtert machten zwei Priester, ganz im vornehmen Schwarz, gegen Abend eine kleine Wanderung und tauschten sich aus:

„Immer weniger Leute kommen zu den Gottesdiensten.“

„Der Urlaub ist ihnen wichtiger.“

„Die Jungen gehen ohnedies in die Disco“

„Wenn das in unserem Land so weiter geht, sind wir überflüssig.“

„Der Herrgott wird sich das nicht gefallen lassen“ …

Da sahen sie einen Mann auf dem Weg, so um die dreißig. Er schien auf die beiden zu warten.

„Vorsicht! Was der wohl will?“

„Heutzutage weiß man nie!“

„Wir tun so, als würden wir ihn nicht bemerken.“

Doch der Fremde trat den beiden Priestern in den Weg: „Darf ich mit euch gehen?“

Kritisch sahen die beiden den Mann von oben bis unten an. Etwas Besonderes schien der nicht zu sein, so wie er gekleidet war, noch dazu an Ostern.

„Ja“, sagten die beiden etwas mürrisch wie aus einem Munde. Was wollten sie in dieser Situation auch anderes sagen. Schließlich waren sie eindeutig als Priester zu erkennen. Und da kann man doch nicht so einfach …

Sie gingen weiter des Wegs und redeten miteinander, als ginge der Fremde nicht neben ihnen. Sie redeten von ‚Auferstehung’ und vom ‚ewigen Leben’. Aber auch, dass immer weniger Leute daran glaubten.

„Wovon reden Sie eigentlich? Ich verstehe nichts von alledem, was sie sagen.“

Der eine Priester, der ältere, verfiel sofort in einen belehrenden Ton: „Ja wissen sie denn nicht, was in diesen Tagen gefeiert wird?

Ostern! Es geht um Jesus, den Sohn Gottes.

Er hat das Letzte Abendmahl mit den Jüngern gefeiert – Gründonnerstag.

Er wurde zum Tod verurteilt und ist am Kreuz gestorben –

Karfreitag.

Er wurde in ein Felsengrab gelegt –

Karsamstag.

Dann …“

„Sind Sie eigentlich ein Christ?“ fragte der jüngere Priester dazwischen. „Katholisch? Evangelisch?“

„Ich verstehe noch immer nicht. Nur Bahnhof!“

Indessen hatten die drei eine kleine Ausflugsgaststätte erreicht und setzten sich an den einzigen freien Tisch im Garten.

Ein Korb mit Brot stand schon auf dem Tisch. Der Kellner fragte: „Was trinken die Herren?“

„Ein Glas Wein für uns zwei, äh, für uns drei“, sagte der Ältere Priester. „Den Hauswein bitte!“

Im samtigen Gelb schimmerte der Wein im Glas bei untergehender Sonne. Noch bevor sie mit den Gläsern anstoßen und ‚Prost’ sagen konnten, nahm der Fremde das Brot.

Und wie er es in die Hand nahm und es auseinanderbrach!

Da gingen den beiden Priestern die Augen auf.

Da saßen sie, wie war das damals eigentlich im Evangelium von Lukas? Das saßen sie mit Jesus am Tisch. Sie griffen sich an den Kopf: Welch eine Gelegenheit!

Der Fremde reichte den beiden Priestern ein Stück Brot. Dann erhob er sein Glas und sagte: „Prost!“. Und im Weggehen fragte er: „Wann endlich begreift ihr, dass ich mitten unter euch bin?“

Spontan waren die beiden aufgesprungen, so als könnten sie in festhalten. Doch der Fremde war verschwunden. Es wäre zu schön gewesen, endlich einen handfesten Beweis zu haben. ©rb

(Leopold Mantler)