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Ein Brief von Pfarrer Martin
© KNA-Bild

Zum Jahrestag des vor 57 Jahren eröffneten 2. Vatikanischen Konzils und aus Anlass der vor wenigen Tagen zu Ende gegangenen Amazonien-Synode in Rom, hat Pfarrer Martin Rupprecht einen Brief an die Pfarrgemeinde und die zahlreichen Mitarbeiter/innen verfasst den Sie hier nachlesen aber auch downloaden können.
Pfarrer Martin möchte in diesem Schreiben seine Sorgen um die Gemeinde und die Kirche in der Welt mit Ihnen teilen, gleichzeitig möchte er Ihnen damit Mut machen und Sie bitten um Ihr Engagement für den christlichen Glauben.

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserer Pfarre Hildegard Burjan!

Heute, am Jahrestag der Eröffnung des 2. Vatikanischen Konzils 1962, drängt es mich euch zu schreiben. Gleichzeitig findet in diesen Wochen in Rom die Amazonien-Synode statt. Papst Franziskus hat viele kirchliche Vertreter und Vertreterinnen des Amazonas Gebietes in Südamerika und Fachleute aus der ganzen Welt gerufen, über die Ökologie dieses so wichtigen Gebietes und über das christliche Wirken dort nachzudenken und Entscheidungen zu treffen. Ich bitte euch, betet dafür!

© Dipl.Theol. Martin Rupprecht

Im Wissen um die Auswirkungen auf das Klima, habe ich trotzdem dieses Jahr drei Reisen unternommen: nach Pakistan, Äthiopien und Tansania. Eine Beobachtung hat mich besonders ermutigt: in all diesen Ländern ist die katholische Kirche eine der konstruktivsten und innovativsten Kräfte. Überall werden katholische Schulen gebaut; mit Disziplin und Tatkraft wird Bildung verbreitet. Für alle Kinder unabhängig ihrer Religion.

Zurück in Österreich fühle ich Freude und großen Schmerz zugleich. Da ist einerseits ein hohes Maß an Engagement in der Pfarrgemeinde und andererseits eine fehlende Solidarität innerhalb der Kirche. Auf zwei Themen möchte ich dabei aufmerksam machen: die Lage des Religionsunterrichtes und die dramatischen Kirchenaustritte.

© Leopold Mantler

Der nächste schmerzliche Punkt ist der Kirchenaustritt. In unserer Pfarre haben wir ca. 250 Austritte im Jahr. Seit unserer Pfarrgründung vor zwei ein halb Jahren haben wir 601 Gemeindemitglieder weniger. Das ist eine ganze Pfarre auf dem Land. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, dann können wir in sieben Jahren die nächste Kirchenschließung vornehmen. Sollen wir ausknobeln, welche unserer drei Kirchen das sein wird? Erstaunlich dabei ist, dass bei fast jeder zweiten Taufe ein/e ausgetretene/r Katholik/in Taufpate sein möchte. Wie soll das gehen? Ihr bemerkt, dass mich das ziemlich schmerzt.

Kirche ist die Gemeinschaft der Getauften. Wenn ich das sage, denke ich an das Wort von Konrad Adenauer (dem früheren Bundeskanzler von Deutschland): „Alle Menschen gern zu haben, ist einfach. Das Problem ist der blöde Kerl von nebenan.“ Ja, auch in der Kirche gibt es immer den „blöden Kerl“. Immer ist einer da, der etwas anderes denkt, spricht und tut als das, wovon ich überzeugt bin. Kann ich also bei dieser Gemeinschaft dabei sein, die nicht zu 100 % das tut, was ich mir denke?! Viele fordern Meinungsfreiheit, aber lassen für die Kirche nur das gelten, was ihnen angenehm ist. Die Botschaft Jesu ist aber nicht immer bequem. Sie ist voller Ideal, Vision und Tiefe, die sich nicht sofort verstehen lässt.

Es ist kein Problem, Gründe für einen Kirchenaustritt zu finden. Eine Million Argumente können angeführt werden. Die Schlagzeilen bieten genügend Futter dazu. Wie gegen einen unbeliebten Menschen kannst du Tag und Nacht herziehen. Eine Mutter Teresa würde aber den einen Punkt der Würde und der Liebenswürdigkeit darin finden und an ihn glauben und daran, dass Gottes Geist wirkt. Mit ihm und durch ihn.

© Dipl.Theol. Martin Rupprecht

Heute habe ich um 13 Uhr vier Kinder von der Schule zum Erstkommunionsunterricht abgeholt, während alle Anderen heimgegangen sind. Eines davon fragt noch: „Wohin geht ihr?“ und voller Stolz antwortete der 9-jährige Mark: „Wir gehen Kirche. Wir bekommen Erstkommunion.“

In dieser Freude und Überzeugung der Erstkommunionkinder, dass uns Jesus etwas gibt, nämlich sich selber in der Gemeinschaft (Kommunion) der Kirche, hoffe ich auf euer Verständnis, euer Vertrauen und Euren Mut, 

Euer Pfarrer Martin Rupprecht

11. Oktober 2019, Jahrestag der Eröffnung
des 2. Vatikanischen Konzils 1962

(Pfarrer Martin Rupprecht)