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Brot wegwerfen ist für mich kein Problem …
© Leopold Mantler

Wer hat nicht von seiner Großmutter das Gebot mitbekommen: „Brot wirft man nicht weg!“ Brot steht für Lebensmittel. Für die Ernte. Für das, was wir vom Schöpfer bekommen und nicht selber „machen“ können. Am Erntedankfest erinnern wir uns an dieses Geschenk der Schöpfung.

Als Bauernkinder gab es für meine Geschwister und mich keine Ferien im Sinne einer freien Zeit. Wir waren auf dem Feld, bei der Aussaat des Getreides und der Kartoffeln. Im Herbst die Erntezeit. Stress pur. Heute sagen noch die Nachbarn: „Ihr seid als Kinder nie über den Hof gegangen, immer gelaufen.“  Wenn die Wolken Regen brachten, dann schnell, schnell noch eine Fuhre Getreide einholen, noch einen Wagen voll Kartoffeln in die Scheune bringen, sonst ist ein Teil nass, verdorben. Beim schnellen Fahren fiel viel vom Wagen herab, oder die Gerste rieselte durch die undichten Seiten. Dann kam zuhause der Staub des Gebläses, damit die Körner trocken in den Speicher kommen. Eine einzige Plagerei.

Wer auf einem Bauernhof gelebt hat, weiß, dass es dort nicht nur nostalgisch, romantisch zugeht. Knochenharte Arbeit Tag und Nacht und das schmerzhaft Zusehen wie manches von der Frucht des Feldes verdirbt, verloren geht oder einfach auf dem Feld liegen bleibt. Ein Bauernkind lernt das hautnah kennen, darum versteht es am besten die Großmutter mit dem Appell: „Wirf kein Brot weg“.

Die Frage ist also, wie wir uns vorbereiten, wie Jesus in uns geboren werden kann. Ich meine, dass der erste Schritt dazu ist, die Adventzeit nicht schon als eine Festzeit, sondern als eine Zeit der Vorbereitung zu sehen. Nach alter Tradition also eine Zeit des Fastens.

Während in den östlichen Ländern das gemeinsame Fasten üblich ist, sind wir im Westen zu einer eher individuellen Entscheidung übergegangen. Ob das eine oder das andere, es ist eine schwierige Entscheidung, die niemand von außen vorschreiben kann. Meistens ist der Vorsatz auch schwer durchzuhalten. Aber gerade damit wird die Zeit so intensiv.

Ich lade Sie ein, sich diesen Advent einen Fastenvorsatz zu nehmen: ob sie bis zum Hl. Abend vegetarisch oder vegan leben, ob Sie auf Alkohol oder Zigaretten verzichten, oder auf etwas anderes, es soll der Vorbereitung auf Weihnachten dienen.

Bitte, machen Sie aus dem Advent noch keine Festzeit. Wenn das Fest schon jetzt ist, was sollten wir dann noch erwarten?

Ich wünsche Ihnen von Herzen eine gute Vorbereitung, einen Hunger nach dem inneren Frieden, ein ungeduldiges Warten auf die Ankunft des Erlösers.

Ihr Pfarrer Martin Rupprecht

(Pfarrer Martin Rupprecht)