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Corona-Krise – Wir Christen blicken gestärkt durch den Glauben auf Ostern
© Pfarre Hildegard Burjan, Teilgemeinde Rudolfsheim

Die Corona-Krise trifft uns alle hart. Einschränkungen im persönlichen Leben, Angst vor Ansteckung, wirtschaftliche Ungewissheit und vieles mehr beschäftigen unsere Gedanken. Der Glaube macht uns Christen stark und lässt uns mutig in die Zukunft blicken. Vor mehr als 300 Jahren wurde unser Land und halb Europa von der Pest heimgesucht. In den Matrikenbüchern können wir nachlesen wie dies Krankheit gewütet hat. Ganze Familien wurden ausgelöscht. Heute sind wir im Kampf gegen die Corona-Krise viel besser gewappnet. Die medizinische Versorgung, der politische und gesellschaftliche Zusammenhalt geben uns Sicherheit. Radio, Fernsehen und die vielen digitalen Kanäle verbinden uns trotz Ausgangsbeschränkung miteinander. Pfarrer Martin wendet sich mit einer Videobotschaft an seine Pfarrgemeinde und an alle die er über diesen Kanal erreicht.

Videobotschaft von Pfarrer Martin Rupprecht

Kein öffentliches Oster - ist das schlimm?

21. März 2020

Liebe Pfarrgemeinde!

1976 veröffentlichte Erich Fromm ein Buch mit dem Titel: Haben oder Sein.

Es sind zwei entgegengesetzte Lebensweisen. Der Mensch neigt dazu, immer etwas haben zu wollen. Das ausgeglichene friedliche Leben entsteht aber aus dem Sein.

Die Corona Krise nimmt uns etwas, was wir geglaubt hatten zu haben: die Bewegungsfreiheit, den Spielplatz, die Arbeitsstelle. Sehr vieles ist nicht mehr verfügbar. Ich kann es nicht mehr haben.

Auch wir Christen können jetzt nicht alles haben: nicht den gemeinsamen Gottesdienst, nicht die Heilige Kommunion, keinen Palmsonntag, keine Karwoche, kein gemeinsames Osterfest.

Ist das schlimm? Ich sage Ihnen „Nein!“ Es mag überraschen, vielleicht verärgern, wenn ich das als Pfarrer sage. Es ist nicht schlimm, es einmal nicht zu haben.

Es mag anstrengend sein, aber es ist nicht schlimm. Warum?

All das fehlende kann uns dazu bringen, die innere Gesinnung zu reinigen, um etwas zu sein: nämlich dankbare, lobpreisende Menschen: das Wasser läuft, die Klospülung funktioniert. Der Müll wird abgeholt, es gibt genug zu essen, zu trinken. Der Staat funktioniert. Das Gesundheitssystem, das Rechtssystem, das Versicherungssystem.

Wenn du da nicht voller Freude und Dankbarkeit bist, dann nützt es nicht, wenn du noch mehr hast. Schau dir die Bilder in den Flüchtlingscamps an. Weltweit. In echten Krisenregionen. Das ist wirklich schlimm!

Letzten Sonntag hatten wir das Evangelium von Jesus am Jakobsbrunnen. Jesus sagt: Gott soll im Geist und in der Wahrheit angebetet werden.

Seinen Geist kannst du aber nicht haben. Du kannst nur mit ihm sein. Er ist wie der Atem. Wie lange kannst du ihn anhalten? Eine Minute? So ist es mit dem Geist Gottes. Er will dich verwandeln zu etwas.

Zwei Gedanken beruhigen mich in diesen Wochen:

  1. Ich vertraue darauf, dass das bisherige kirchliche Leben, den einzelnen Christen, die einzelne Christin so geschult hat, dass er oder sie auch einmal alleine – zeitlich begrenzt - das religiöse Leben pflegen kann.
  2. Die Geistkraft Gottes wirkt in uns. Sie macht uns zu österlichen Menschen: wir müssen ihr nur Gelegenheit geben, dass sie in uns wirken kann: durch die Nachbarschaftshilfe, durch das stille Gebet, durch das Lesen in der heiligen Schrift. Lesen Sie das Matthäus Evangelium in der Karwoche. Von Anfang bis zum Ende. Sie werden überrascht sein, was es mit ihnen macht, und wie es endet.

Das Fehlen von so Vielem wird uns aufmerksamer machen auf das Schöne, das uns zur Verfügung steht.

Ihr Pfarrer Martin Rupprecht

 

(Pfarrer Martin Rupprecht)