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Selbstbesteuerung – Ist es dumm, freiwillig etwas herzugeben?
© Dipl.Theol. Martin Rupprecht

Die Idee der Selbstbesteuerung hat eine lange Geschichte. Vor ca. 50 Jahren kam sie erneut auf, als in Europa der Wohlstand zunahm und zugleich sichtbar wurde, dass das Vermögen sehr ungerecht verteilt ist. Bis heute gibt es weltweit die himmelschreiende Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Mächtigen und Entrechteten.

In vielen christlichen Gemeinden ergaben sich Kontakte zu den benachteiligten Gebieten. Persönliche Kontakte und Besuche bei Hilfsprojekten haben viele Personen motiviert, sich einer Selbstbesteuerung zu verpflichten. D.h.: Jede/r überweist monatlich per Dauerauftrag einen frei gewählten Betrag auf das Konto eines selbst gewählten Projektes. Niemand erfährt, wer wie viel überweist.

Wer eine Hochzeit feiert, eine Taufe, einen Geburtstag, ein Jubiläum, den Pensionsantritt: Für die Feiern gibt es eine unüberschaubare Auswahl. Es fällt schwer sich zu begrenzen. Reflexhaft kommt der Gedanke: „Das habe ich mir verdient; ich will mir etwas Gutes tun …“ Da kann bei der Planung eine Selbstverpflichtung helfen: 1, 3 oder 5 Prozent der Ausgaben meiner Feier sollen einem Hilfsprojekt zugutekommen.

Trotzdem verstehen wir die Spenden nicht als Almosen von uns Reichen an die Armen. Die Weltwirtschaftsordnung ist nicht gerecht und darum geben wir nur etwas zurück, was wir mit jeder Tasse Kaffee, mit jeder Banane usw. im Grunde schuldig bleiben. Es ist ein Akt der Gerechtigkeit und der Solidarität.

(Pfarrer Martin Rupprecht)