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DAS KIRCHENJAHR 2018 / 2019 MIT LUKAS IN NEUEM SPRACHGEWAND
© Leopold Mantler

Wieder ist es so weit, dass wir mit dem 1.Adventsonntag am 2.Dezember 2018 ein neues Kirchenjahr beginnen und dieses im Lesejahr C mit dem Evangelium nach Lukas diesmal auch noch textlich neu begehen dürfen. Wer war Lukas? Wir wissen relativ wenig über ihn. Er stammte aus Antiochia in Syrien, schloss sich dort früh der Christengemeinde an. Obwohl er sich namentlich nicht nennt, ist er nach neueren Forschungen wahrscheinlich der Verfasser des 3.Evangeliums und der Apostelgeschichte. Diese beiden Werke schrieb er nach dem Tod von Paulus, den er – so wird angenommen – auf seiner zweiten Missionsreisen begleitete und dem er auch in Rom beistand. Lukas zog sich sodann von Rom nach Achaia in Griechenland zurück, verfasste dort sein Doppelwerk und starb im Alter von 84 Jahren in Böotien nördlich von Korinth. Er war Arzt und als solcher wohl auch von großer Hilfe für Paulus auf dessen beschwerlichen Missionsreisen (vgl. Kol 4, 14).

Evangelium und Apostelgeschichte sind einem gewissen Theophilus gewidmet (vgl. Lk 1, 3 & Apg 1, 1) und daher durch diesen miteinander verbunden. Aus dem Text des Evangeliums ist eine tiefsinnige Persönlichkeit zu spüren, die eine zu Herzen gehende, ausstrahlende Kraft besitzt. Lukas hat sich dazu entschlossen, „allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen … und der Reihe nach aufzuschreiben“ (Lk 1, 3). Seine Chronologie ist konsequent, er verfolgt seinen Lieblingsgedanken: Jerusalem, die Heilige Stadt, ist der Ort, an dem sich das Heil erfüllen muss, und diese Stadt steht auch zugleich am Anfang und am Ende seiner frohen Botschaft. Lukas stellt die Person Jesu in einen zeit- und weltgeschichtlichen Rahmen, er beschreibt die „Güte Christi“ (so schon Dante) und hebt die Barmherzigkeit Jesu gegenüber den Armen und Sündern hervor. Bei den Heilungen Jesu zeigt sich das Feingefühl des Arztes Lukas. Seine „Weihnachtsgeschichte“ gehört wohl einmalig zu den faszinierendsten Erzählungen seines Evangelien-Textes.

Das Lesejahr C bringt uns das Evangelium nach Lukas in der „Einheitsübersetzung“ und daher in einem neuen sprachlichen Gewande. Diese Übersetzung, angestoßen durch das Zweite Vatikanum, will auf der Basis der ursprünglichen Quellen des Hebräischen, Aramäischen und Griechischen die Verständlichkeit und den Stil wesentlich verbessern. Nach dem Lektionar C im heurigen Jahr folgen dann 2019 schrittweise die Lektionare der Lesejahre A und B. Als Musterbeispiel und zugleich Meditationstext der sprachlichen Unterschiede zwischen der neuen und alten Übersetzung wähle ich den bekannten Hirten-Psalm 23 mit seinen nur sechs Versen und setze die „bisher bekannte Fassung“ jeweils in Klammern nach:

„(1) Der Herr ist mein Hirt [Hirte], nichts wird mir fehlen. (2) Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. (3) Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit [Er stillt mein Verlangen; er leitet mich auf rechten Pfaden], getreu [treu] seinem Namen. (4) Auch wenn ich gehe im finsteren Tal [Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht], ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich [geben mir Zuversicht]. (5) Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt [Du salbst …], übervoll ist mein Becher [du füllst mir reichlich den Becher]. (6) Ja, [Lauter] Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und heimkehren werde ich ins Haus des Herrn für lange Zeiten [und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit].“ – Viel Gewinn, Freude, Kraft und neue Einsichten möge uns die „revidierte Einheitsübersetzung“ im Lesejahr C bereiten!

(H.T.)