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EIN ERFÜLLTES LEBEN
© Inge Beck

„Ein erfülltes Leben“ wünschen wir uns alle, aber was steckt in einem erfüllten Leben wirklich? Eine Antwort darauf fällt erfahrungsgemäß höchst subjektiv aus und hängt sehr wohl mit der heute oft zitierten Sinnsuche zusammen; denn in unserem heute weit verbreiteten Wohlstand ist häufig von der „Sinnkrise“ die Rede. Nach einer kürzlich in Berlin durchgeführten Straßenbefragung haben immerhin 85% der Befragten bestätigt, über den „Sinn des Lebens“ nachgedacht zu haben. Erfüllt und damit auch erfolgreich ist unser Leben wohl erst, wenn die Grundbedürfnisse zum Leben vorhanden sind: Wenn wir also ohne Hunger und Durst, ohne Angst und Schmerz und in großer Freiheit leben und darüber hinaus auch noch das geistig-seelische Wohlsein in uns finden und genießen können. Studien in den USA haben – wohl nicht überraschend – ergeben, dass gute und vertrauensvolle Beziehungen zueinander ganz wesentlich zu einem glücklichen und gesunden Leben beitragen. Besitz und Reichtum vermitteln zwar Sicherheit, sie fördern aber nicht das Glücksgefühl und erhöhen schon gar nicht die Zufriedenheit mit dem eigenen Lebenssinn.

Das „erfüllte Leben“ wird meist im Rückblick am Lebensende erst festgestellt und gesehen. Ich versuche mit dem Titel „ein erfülltes Leben“ meinen Blick in die Zukunft auf die individuell unterschiedliche Lebensplanung zu richten und darf in diesem Zusammenhang an das berührende Gleichnis vom „unfruchtbaren Feigenbaum“ erinnern, das Jesus in LUKAS 13, 6-9 erzählt: „Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum, und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine“; und das erfuhr er nun schon seit drei Jahren, weshalb er zum Gärtner sagt: „Hau ihn um, weshalb soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?“. Doch der Gärtner bat den Herrn des Weingartens eindringlich um Geduld: „Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen“. Das Ergebnis dieser anschaulichen Geschichte: Nehmen wir den Feigenbaum als „unseren eigenen Lebensbaum“, dann braucht er, sollte sein Leben keine Früchte bringen, zunächst große Geduld und dazu umsichtige Pflege zu seiner Sinnerfüllung: Dass er erfolgreich wachse und reichlich Früchte bringe!   

Uns bieten sich viele Gelegenheiten, die zu einem erfüllten Leben durch Neuanfänge und neue Zielsetzungen anregen. Auch Vorschläge und Tipps zu ganz persönlichen Entscheidungen werden uns zur Genüge angeboten. Ganz oben steht unser überzeugtes JA zum eigenen Leben und zu unserer Welt, in der wir unser ganz persönliches Selbstbild entwickeln und den eigenen Lebensweg mit all unseren Begabungen suchen, finden und zu Ende gehen sollen. Dies allerdings nicht für uns allein, sondern im Wissen darum: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ mit unseren Mitmenschen (Martin Buber 1878-1965). Unser Leben „hat nur genau ganz so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind“ (Hermann Hesse 1877-1962). Manchmal ist es notwendig innezuhalten, sich radikal zu ändern und an die Kraft der selbstlosen Liebe zu denken. Hilfe zu einem „erfüllten Leben“ finden wir im Miteinander und zweifellos auch in der Bibel, so z.B. in den Psalmen, die feste Hoffnung und unverfälschte Spiritualität zu „einem erfüllten Leben“ anbieten, wenn es etwa heißt: „Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe, von ihm kommt mir Hilfe. Nur ER ist mein Fels, meine Hilfe, meine Burg; darum werde ich nicht wanken“ (Psalm 62).                   

                                                                                                                                                           H.T.

(H.T.)