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IM SOMMER GUTES TUN & GUTES ERFAHREN
© Leopold Mantler

Wenn ich auf meine Jugendzeit zurückblicke, war der Sommer immer unspektakulär und vor allem arbeitsintensiv. Von Erholung oder gar von Verreisen war keine Rede, denn der Sommer war die Zeit der Ernte, die jede Hilfe brauchte und jeden zum Mithelfen einspannte. Urlaub oder das Wort Sommerfrische waren quasi Fremdwörter. Inzwischen an Jahren gereift erlebe ich, und wohl viele von uns erleben den Sommer als die wunderbare Zeit der Erholung, als die Zeit zum Ausspannen und zum Heraustreten aus dem Alltag mit seinen Verpflichtungen und geregelten Abläufen. „Gutes tun und Gutes erfahren“ könnte quasi das Motto für diese sommerliche Freizeit sein, weil es auf das Miteinander mit all den Menschen verweist, denen wir begegnen, ob dies Familien-Mitglieder, ob es Freunde, Bekannte oder Fremde sind. Jetzt liegt es in unserer Hand, „freie“ Zeit sinnvoll zu verschenken, und das heißt u.a.: auf einander zugehen, die anderen reden lassen und ihnen zuhören, miteinander plaudern und offen sein für persönliche Freuden, Nöte und Sorgen.

Das Gute spielt in der Philosophie und Theologie eine große Rolle, doch dies hier aufrollen zu wollen, braucht es nicht, wenn wir das Gute schlicht als etwas Wertvolles begreifen, das geliebt, geschätzt und angestrebt zu werden verdient. Was allein in sich gut ist, all das ist liebens- und erstrebenswert. Es erhöht den Lebenssinn, sobald wir uns den Mitmenschen zuwenden, um zu helfen durch selbstloses Belehren, Raten, Trösten, Ermutigen, Vergeben und einander geduldig Ertragen. So lauten bekanntlich zusammengefasst die geistlichen Werke der Barmherzigkeit. Konkret zu diesen stehen dann noch die leiblichen Werke der Barmherzigkeit, wenn wir Hungrigen zu essen geben, Obdachlose beherbergen, Nackte kleiden lassen, Kranke und Gefangene besuchen und unsere Toten zum Grab begleiten (dazu vgl. auch Mt 25, 31-46). Ein Hauptzeugnis der Nächstenliebe legen wir ab, wenn wir Armen Almosen geben, was zugleich eine Tat der Gerechtigkeit darstellt, die Gott gefällt. Gutes tun richtet sich also in erster Linie an den Nächsten, wie dies auch das Gebot der Nächstenliebe formuliert.

Und wir? Können nicht auch wir selbst im ferialen Sommer „Gutes erfahren“? Ja, das können wir sehr wohl, indem wir uns selbst Zeiten der Ruhe, der Erholung, der freien Wahl zu jenen Freuden gönnen, für die uns sonst die Zeit fehlt und uns daher verwehrt sind. So manche suchen für sich eine „Auszeit in der Stille“. Dabei steht ganz oben das Ziel, zu sich selbst zu finden und emsig darüber nachzudenken, wie wir so manches im Alltag sinnvoller und erfolgreicher gestalten können. Anregungen dazu bieten mitunter im wörtlichen Sinn auch all die „Erfahrungen“, die wir, allein oder mit anderen, durch Wanderungen und Fahrten im Urlaub erleben, und die uns neue und bessere Einsichten für den Alltag zu bringen vermögen. Sich selbst also im Sommer-Urlaub Gutes tun, heißt nicht zuletzt, durch Beten und Meditieren innerlich gestärkt „unserem Höchsten Gut“ ein Stück näher zu kommen.

(H.T.)