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MIT LEIB UND SEELE

Man darf wohl jene Menschen bewundern, die „mit Leib und Seele“ ihrem Beruf nachgehen und diesen, wie und wo auch immer, mit sichtlicher Begeisterung und innerer persönlicher Beteiligung ausüben; man kann „mit Leib und Seele“ einer großartigen Idee oder leider auch einem Laster „ganz und gar“ verfallen sein. In dieser sprachlichen Wendung „mit Leib und Seele“ geht es um den ganzen Menschen, der nach unserem Wissen und Glauben eben in der Dualität von Leib und Seele besteht. In dieser Zweiheit von Leib und Seele geschieht ein reger Austausch. Was wir physisch erleben, beeinflusst auch die Seele und umgekehrt wirkt Seelisches auf unseren Leib. Vieles an Freuden und Lustbarkeiten nehmen wir durch unsere körperlichen Sinne wahr: Durch den Sehsinn erblicken wir all die Schönheiten und Wunder in Kunst und Natur. Unser Ohr nimmt wahr und genießt die herrlichen Klänge in der Musik und im fröhlichen Vogelgezwitscher; wir schmecken, was an Köstlichkeiten auf den Tisch kommt, und wir riechen Betörendes in den diversen Düften, ob es Blumen sind oder sonst manch Erquickendes von Menschenhand gemacht ist; auch der Tastsinn kann Sanftes und Wohliges neben Rauem erspüren lassen. Was immer uns die Welt an Erfreulichem anbietet, unser Körper nimmt es wahr. Aber auch Schmerzen können unseren Körper treffen, und dann leidet auch die Seele mit, so wie auch seelischer Schmerz den Körper mitleiden und krank werden lassen kann. Letztlich ist es dann der Körper, der der Verwesung verfällt, wogegen der Mensch im Leib lebendig bleibt.

So wie der Körper für uns „begreifbar“ und fassbar existiert, so wird auch die Existenz der Seele in allen Kulturen angenommen. Zweifel an einer existenten Seele hegen vor allem die Materialisten, die – wenn überhaupt – allein am „Geist“ festhalten, der zum Empfinden, Fühlen und Denken befähigt. Der Geist wird traditioneller Weise dem Körper zugeordnet, die Seele hingegen dem Leib. Mit dem Ausdruck „Seele“ wird das Innerste und Wertvollste im Menschen bezeichnet. Die Seele ist gleichsam das geistige Lebensprinzip im Menschen, das alles Leibliche durchwirkt. Sie steht auch stellvertretend für den ganzen Menschen, weshalb im Alltag von einer „guten Seele“ die Rede sein kann, wenn damit ein gutmütiger Mensch bezeichnet wird. Auch im Neuen Testament fasst der Begriff „Seele“ allein schon den ganzen Menschen, daher kann der Psalmist sagen: „Lobe den Herrn, meine Seele“ (Ps 103, 1f.), bzw. „meine Seele dürstet nach Gott“ (Ps 42, 3), oder wenn Maria über sich selbst jubelnd ausruft: „Meine Seele preist die Größe des Herrn“ (so im Magnifikat nach Lk 1, 46-55).

Wie man „mit Leib und Seele“ unseren Glauben intensiv vertiefen und stärken soll, hat schon Benedikt von Nursia (um 480-547) in seiner Regel zum Ausdruck gebracht, wenn er den Alltag der Mönche im Kloster mit der Aufforderung „bete und arbeite“ (ORA ET LABORA) auf zweifache Weise, nämlich seelisch und körperlich, gestalten lässt. Es ist der ganze Mensch, der in Maria „mit Leib und Seele“ in den Himmel aufgenommen wird. Dieser Glaubenssatz wird einerseits mit der Makellosigkeit Mariens vom ersten Moment ihres Daseins an begründet, er gibt andererseits auch uns die feste Hoffnung auf das eigene Ende unseres Lebens in dieser Welt: Unser ganzes Wesen, was immer dieses ausmacht, findet zuletzt auf geheimnisvolle Weise „mit Leib und Seele“ Platz in der neuen und ewigen Welt.

(H.T.)